Ein Abend voller Klartext, Leidenschaft und dem unbedingten Willen, mehr aus dieser Stadt zu machen.

Frankfurt am Main, 12. März 2026 – Massif Central, Bethmannstraße 7–9


Es hätte ein gewöhnlicher Donnerstagabend in Frankfurt sein können. Wurde er nicht. Wer an diesem 12. März ins Massif Central gekommen war, erlebte einen Abend, der unter die Haut ging – weil er die Wahrheit zeigte, die viele längst spüren, aber selten so offen ausgesprochen hören. Die Initiative Frankfurt kann mehr hatte eingeladen. Und Frankfurt kam – zugegebenermaßen hätten es noch deutlich mehr sein können.


Erst die Vision – dann der Schock

Der Abend begann mit einem Introvideo aus der „Stell dir vor“-Kampagne: Bilder einer Stadt, die möglich wäre. Lebendige Plätze, saubere Straßen, eine pulsierende Innenstadt, stolze Bürgerinnen und Bürger. Eine Stadt, die ihre Möglichkeiten ausschöpft.

Dann kam der Bruch.

Ohne lange Überleitung folgte eine Abfolge von Bildern, die kaum jemanden kalt ließ: Stadtschmerzorte, dokumentiert, geteilt, gesammelt – aus der Community, von Frankfurterinnen und Frankfurtern, die nicht weggeschaut haben. Dreck, Leerstand, Verfall, Gleichgültigkeit. Die Gegenüberstellung war bewusst gewählt und sie wirkte: Was Frankfurt sein könnte – und was Frankfurt gerade ist.

Der Kontrast saß.


Die Stimmen des Abends

Moderiert wurde der Abend von Vanessa Scheiff – präzise, empathisch, mit dem richtigen Gespür dafür, wann es mehr Druck braucht und wann Raum zum Nachdenken. Eine Moderation, die dem Abend Struktur gab, ohne ihn einzuengen.

Die geladenen Gäste brachten unterschiedliche Perspektiven mit – und alle hatten etwas zu sagen.

Hendrik Gienow, Gründer von Frankfurt kann mehr, brachte den Zustand der Stadt auf den Punkt mit einem Bild, das bleibt:

„Wenn Frankfurt eine Ampel wäre, dann stünde sie weder auf grün, gelb oder rot – sie wäre kaputt.“

Stärker lässt sich politische Handlungsunfähigkeit kaum beschreiben.

Wer die Schmutzkrise Frankfurts noch mit Skepsis betrachtete, wurde spätestens durch den Beitrag von Frankfurt Trash eines Besseren belehrt. Der Influencer dokumentiert seit über fünf Jahren systematisch die Verwahrlosung der Stadt:

„Frankfurt wird immer dreckiger. Ich habe das mittlerweile auf über 20.000 Bildern dokumentiert.“

20.000 Bilder. Das ist kein subjektiver Eindruck – das ist ein Archiv der Vernachlässigung.

Rahwa Bumba, Managing Director des Lume Boutique Hotels, sprach für viele, die in der Frankfurter Gastronomie und Hotellerie arbeiten – und sich von der Stadt allein gelassen fühlen:

„Wenn Frankfurt so weitermacht, geht die Qualität der Gastronomie weiter verloren und damit verliert die Stadt ihre Seele.“

Eine Stadt ohne lebendige Gastronomie, ohne Cafés, Restaurants und Begegnungsorte, verliert mehr als nur Umsatz. Sie verliert das, was Menschen zusammenbringt.

Der Immobilienexperte Sven Seipp, Geschäftsführer der Mykorrhiza Real Estate GmbH, legte den Finger in eine weitere, tief sitzende Wunde:

„Eine sachliche Diskussion zum Thema Immobilien in Frankfurt ist eigentlich gar nicht mehr möglich. Es wird sofort emotional – vor allem, wenn Menschen hinzukommen, die Frankfurt gerne so ruhig und entspannt wie ein Dorf hätten.“

Ein Befund, der nachdenklich macht: Wenn selbst die Debatte über Lösungen unmöglich wird, wie sollen dann Lösungen entstehen?


Das Publikum spricht

Doch dieser Abend sollte kein Abend sein, an dem vier Menschen reden und alle anderen zuhören. Vanessa Scheiff öffnete die Diskussion fürs Publikum – und die Antworten ließen keine Fragen offen.

Die drei größten Schmerzpunkte der Anwesenden:

  1. Sauberkeit und Müll – mit knapp 30 Prozent auf Platz eins
  2. Verkehr – ein täglich spürbares Problem
  3. Schulen und Bildung – die Zukunft der Stadt beginnt in ihren Klassenzimmern

Der Blick nach vorne: Was Frankfurt sein könnte

Im zweiten Teil des Abends lenkte Vanessa Scheiff den Blick nach vorn. Was sind die Visionen? Was wäre möglich?

Die Impulse aus dem Publikum waren vielfältig, engagiert – und ehrlich. Besonders auffällig: die Stimmen, die auf die Bedeutung des Einzelhandels hinwiesen, nicht nur als Wirtschaftsfaktor, sondern als gesellschaftlicher Anker und Treffpunkt. Orte, an denen Menschen sich begegnen, Gemeinschaft entsteht, Identität gelebt wird. Orte, die Frankfurt verliert – still und stetig.

Die Grundstimmung war eindeutig: Frankfurt bleibt in so vielen Bereichen unter seinen Möglichkeiten. Die Stadt, die diese sein könnte, steht im Widerspruch zu der Stadt, die sie gerade ist.

Und doch: Alle Diskutantinnen und Diskutanten waren sich in einem einig. Veränderung beginnt nicht nur im Rathaus. Sie beginnt bei jedem Einzelnen. Und gleichzeitig wurde offen ausgesprochen, was viele beschäftigt: Die Bereitschaft, sich zu engagieren, die Energie, die Haltung aufrechtzuerhalten – sie wird weniger.


Das Fazit: Es liegt an uns

Der Abend endete mit einer Erkenntnis, die so einfach wie unbequem ist:

Es liegt an uns, was zu verändern ist. Denn Frankfurt kann mehr.

Wer an diesem Abend dabei war, hat nicht nur Probleme gehört. Er hat Menschen erlebt, die kämpfen. Die nicht wegschauen. Die unbequeme Wahrheiten aussprechen, weil sie diese Stadt lieben und genau deshalb nicht schweigen können.

Vanessa Scheiff hat diesen Abend mit einer Professionalität und Leichtigkeit moderiert, die eine solch intensive Diskussion erst möglich macht. Der Austausch war meinungsstark, manchmal unbequem, immer ehrlich – und genau deshalb so wertvoll.

Danke an alle, die gekommen sind. Danke an alle, die gesprochen haben. Und danke an alle, die nicht aufhören zu glauben, dass diese Stadt mehr kann.

Denn das kann sie. Frankfurt kann mehr.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

6 + sieben =